DAS HERRENHAUS VERANSTALTUNGS-RAUM ARBEITS-RAUM KUNST LITERATUR MUSIK
 

 Castel d'Asso

Leichtfüßig wieder, auf dem derben Schuh.
Im Staub, der so viel trägt.

Kamerad, ich soll dir eine Poesie
Serviern oder einen gut erzählten text;
Was willst du, wer bist du, wo
ist deine Rennebahn?

Hier sind Geister und Schmiegsamkeiten.
Sprödling, kein Weg und kein Wort
Zu dir.

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Der Körper

Im alten Tarchna, auf dem Anger, in den Gehäusen der Toten. Man hat an diesem Platz die Wände der Gräber farbig ausgemalt: ich erzähle das hier, wenn du auch meinst, neuzeitlicher Lumpenhund, solcher Befund sei keinen Satz wert.
Die tomba dell'Orco hat eine Seitenwand, abgeblättert und zerstört. Sichtbar ist nur ein Kopf. Auch ist festgehalten, wie die Frau hieß. Das Profil der Velia Velchna entspricht wohl durchaus einem Schönheitsideal, zwischen Stirn und hals zeigen sich klassische Linien. Wir sind aber in der Lage, diese Reize beiseite zu lassen, denn: schau, die herabgezogenen Mundwinkel, die roten, liegen so gallig auf dem Hintergrundblau, nasenwurzel mürrisch eingezogen, Blick wer weiß wohin, aber nach unten in allen Möglichkeiten.
Das bedeutet, man wäre gar nicht zum gegenlachen genötigt. Ein an der Grenze wüster Stimmlosigkeit angesiedeltes Schweigen erlaubte die Anbahnung. Illuminationen gingen auf. In der Hülle wäre Lust. Die nichtausgedrückten Gedanken sammelten sich womöglich zu Kreisen oder Ketten. Signale benötigten keine Vermittlung, Fühlungen keine Girlanden. Man hätte ohne Anstrengung der Mimik miteinander geschwiegen und alles getan.


Aus: Walter Gröner,  "Fabrikler, Leser und Poet. Reisebilder und Leselandschaften." Serie Piper 1989. (Ersterscheinung bei Elster Verlag Bühl-Moos 1985)
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